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Instagram killed the blog star

4. Mai 2017 // Eileen

Ich bin enttäuscht. Und das, obwohl ich eine Nacht drüber schlief und eigentlich ein tiefenentspannter Mensch bin. Ich frage mich mal wieder, warum so oft vergessen wird, dass hinter Blogs, Instagram-Accounts und anderen Social-Media-Plattformen ECHTE MENSCHEN stecken. Menschen, keine Roboter oder Captcha-Programme, die man mit der Eingabe der richtigen Zahlen- und Buchstabenreihenfolge ruhig stellen kann.

Um euch kurz zu erklären, warum ich kopfschüttelnd vor dem PC sitze: Vergangene Woche flatterte die Einladung zu einem mehrtätigen Presse-Event in mein Email-Postfach. Man würde sich sehr freuen, wenn ich komme und ich möge mich doch bitte schnell zurückmelden, da die Reise schon bald starte. Gesagt, getan: Ich hatte Lust drauf, da mich auch die Marke sehr interessiert und das Event spannend für mich und den Blog klingt. Ich sagte also noch am gleichen Tag zu und checkte meine Arbeitszeiten bei BILD. Ich tauschte meine Schichten, damit es mir möglich ist, auch die vollen drei Tage des Events anwesend zu sein.

Nachdem ich mich gestern wunderte, wieso von dem Unternehmen noch keine neue Mail mit weiteren Infos und Reisedaten kam, flatterte abends (damit man nicht mehr darauf reagieren kann, not bad!) eine Absage ins Postfach. Ich wunderte mich schon, denn mit einer Blog-Kollegin sprach ich gestern darüber, dass sie schon ihre Flugzeiten wisse – ich hingegen noch nicht. Dumm gelaufen: Die Absage war nicht nur sehr unpersönlich geschrieben, sondern auch sehr komisch. Es hätten sich zu viele Blogger angemeldet. SO WHAT?

Liebe Leser, versteht mich nicht falsch: Es ist völlig okay, wenn ich nicht zu einem Kunden passe. Es ist völlig okay, abgelehnt zu werden – so läuft dieser Job nun mal auch. Aber wenn ich eine Mail bekomme, in der ich zu einem Event eingeladen werde mit der Bitte, ich möge mich schnell melden denn man habe mich soo gerne dabei und würde dann alles weitere gerne mit mir durchgehen, dann gehe ich nicht davon aus, dass drölf Mal mehr Blogger angefragt wurden, als überhaupt teilnehmen können. Ich denke, der Kunde wartete einfach ab, wie viele „größere“ Blogger zusagten und sortierte dann von hinten weg.

Ist ein bisschen so, wie damals im Studium: Wenn dein Text zu lang war, kürzt du von hinten weg. Deswegen sortierst du jede Nachricht so, dass am Anfang das Wichtige steht – und am Ende die Sachen auftauchen, die man getrost löschen kann.

Was mich so wurmt? Dass Menschen keine Kurztexte sind, die man in den Papierkorb legen kann. Wieso nicht wenigstens anrufen und sich persönlich melden? Ich schickte die Mail (ohne Namen und Kundennamen) an eine gute Freundin (hey, ihr würdet es auch machen) und auch sie war fassungslos. Wieso nicht erst mal die Leute anschreiben, die man definitiv dabei haben möchte und dann, wenn Plätze frei werden, aufstocken? Dann lieber mehreren Bloggern vor den Kopf stoßen, aber noch beteuern, dass man „total gerne wieder (!) mit einander arbeiten möchte“. Mir als Freiberufler entsteht dadurch nun leider ein finanzieller Schaden (was sehr vielen Leuten in meinem Berufsfeld so geht, wenn so etwas passiert), da ich Arbeitstage im Büro wegtauschte und nun, ein paar Tage vor dem Event, in zehn kurzen Zeilen vor den Kopf gestoßen werde.

Ich schreibe diese Zeilen auch, um mich mit euch auszutauschen: An die Blogger unter euch – ist das normal geworden? Dieses unpersönliche absagen, dieses „juckt mich nicht, es gibt doch eh genug von der Sorte“? (Leider bekam ich solche Konversationen schon mehrfach offline mit) 

Ich blogge jetzt seit sieben Jahren (Himmel, bin ich alt!), arbeite seit fünf Jahren als Redakteurin bei der BILD, habe hunderte und hunderte von Artikeln veröffentlicht und arbeite sehr gerne in diesem Bereich. Klar, ich habe nicht die 100K bei Instagram, die glitzernd und Einhornduft pupsend jedes Unternehmen betören. Aber ich liebe die Kreativität, die man selbst in dem Beruf ausleben kann. Ich liebe die Tatsache, dass ich mein eigener Chef bin – auch, wenn dieses „Selbstständig sein“ manchmal nicht einfach ist. Aber ich möchte es momentan um nichts in der Welt eintauschen. Trotzdem ist es einfach Schade und auch sehr ermüdend, dass man in der Blogger-Welt nur noch als Zahl gesehen wird.

Bei nächsten Events kann ich mir gerne meine Instagram-Follower auf die Stirn schreiben, damit direkt ausgesiebt werden kann. (Glaubt mir: Bei einem Event vor ein paar Monaten wurde ich nicht nach meinem Namen oder Blognamen oder Themengebiet gefragt, sondern direkt ohne Begrüßung nach meinen Instagam-Zahlen! Da musste ich doch echt schlucken.)

Qualität zählt für viele Unternehmen leider nicht vor Quantität. Oder wieso schnappte sich ein bekannter Kaffee-Hersteller für die Zusammenarbeit eine Bloggerin, die oft beteuerte, keinen Kaffee zu trinken? Hauptsache dein Instagram-Account weist eine dicke Summe an Followern auf – ob sie echt sind, zu deiner Zielgruppe und Marke passen – leider oft unwichtig. NATÜRLICH gibt es zum Glück Ausnahmen, aber ich bekomme so etwas in letzter Zeit fast wöchentlich mit. Die gestrige Mail war da noch der berühmte Tropfen, der das Fass überlaufen ließ.

Ich habe ja schon mal einen ähnlichen Text verfasst – „Was bin ich als Blogger eigentlich noch wert“. Übrigens der meist gelesene Beitrag in all den sieben Jahren hier. Ich frage mich: Ist es zu viel verlangt, daran zu denken, dass hinter all den Accounts Menschen stecken? Die Woche für Woche neue kreative Ideen für ihre Blogs und Follower überlegen? Ich glaube nicht. NATÜRLICH sind wir Blogger auch keine Heiligen, keine Engel auf Erden und machen verdammt viele Fehler – das möchte ich zum Abschluss gerne noch mal betonen. Aber diese flapsige Austauschbarkeit und das reine Bewerten nach Zahlen einer App, die es vor ein paar Jahren noch gar nicht gab – und die meiner Meinung nach keinen Blog-Content ersetzen kann – fühlt sich für mich einfach nicht richtig an.

(Mimimi over and out. Aber manchmal muss man Dinge einfach auf – virtuelles – Papier bringen, wenn sie einen doch sehr beschäftigen.)

15 Comments

  • Reply Jennifer 4. Mai 2017 at 8:59

    Das hast du sehr gut geschrieben liebes, ich hätte es niemals für möglich gehalten das eine App mal wichtiger sein wird als der Blog, unser Hauptaugenmerk. Da wird einfach mal wieder ganz deutlich in was für einer oberflächlichen Branche wir arbeiten.
    Liebste Grüße Jenny

  • Reply Heiko Kunkel 4. Mai 2017 at 10:30

    Fuck! So etwas habe ich – gott sei dank – noch nicht erlebt.
    Ich würde die Agentur/das Unternehmen auf meine ganz persönliche „schwarze Liste“ setzen. Ist schließlich dann deren Pech…

    • Reply Eileen 4. Mai 2017 at 14:50

      In dieser Art ist mir das auch das erste Mal passiert. Habe mich auch telefonisch dort gemeldet und noch mal persönlich gesagt, dass ich das zweifelhaft finde.

  • Reply Jess 4. Mai 2017 at 11:13

    Super geschrieben. Ich kann dich absolut verstehen, und dass obwohl ich „auf der anderen Seite sitze“. Ich denke das Problem liegt an den vielen „Instagramern“ die 10 Bilder die Woche posten und damit richtig Reichweite generieren. Leider zählt das aktuell für Unternehmen. Schade drum. Ich setze immer noch auf Blogger die einen Blog haben und wissen was sie da tun, aus Leidenschaft, nicht weil sie das schnelle Geld wittern.

    • Reply Eileen 4. Mai 2017 at 14:52

      Danke! Das lässt hoffen 😀 Es geht mir hier auch nicht um ein Budget, sondern rein um den Umgang mit Menschen und der Tatsache, dass diese leider oft nur so viel Wert sind, wie die Zahl einer ganz bestimmten App. 🙂

  • Reply Daniela 4. Mai 2017 at 11:34

    Guter Dampf, gute Meinung, guter Text ….. ja und ich gebe Dir Recht Qualität zählt für viele Unternehmen leider nicht. Zahlen / Follower … ob dies der richtige Weg ist glaube ich nicht, mit der Zeit wird es für Unternehmen ohne Qualität nach hinten los gehen. Glaube weiterhin an Dich, an deinen tollen, Blog, an Deine Texte und setz Dich mit den Po auf dieses Verhalten drauf. Umgang den ich nicht möchte und auch nicht lebe.
    Schön bei Dir gelesen zu haben.
    Gruss Daniela

    • Reply Eileen 4. Mai 2017 at 14:51

      Vielen lieben Dank für deine Worte 🙂 <3

  • Reply lonelysas 4. Mai 2017 at 14:10

    Ich als kleine Bloggerin und Instagrammerin bin auch immer enttäuscht, das so viel an Follower festgenagelt wird.
    Meiner Meinung zählt nicht wieviele einem Folgen, sondern die Qualität und die Leidenschaft der Person dem der Account gehört.
    Super Text Liebes 😉

    Gruß Saskia (lonelysas)

  • Reply Lisa 4. Mai 2017 at 20:50

    Liebe Eileen,

    das ist echt eine miese Masche gewesen, die man mit dir abgezogen hat. Ich bin zwar kein Blogger und bei Instagram sind meine Follower auch überschaubar, aber selbst ich merke im Alltag, dass häufig nur noch Quantität zählt und Qualität immer nebensächlicher wird. Das ist echt beschissen und sollte geändert werden. Mal ganz davon abgesehen, dass das Verhalten, der Organisatoren/Agentur/whoever nicht gerade von einer guten Kinderstube zeugt…

    Nimm dir das bitte nicht zu sehr zu Herzen. Dein Blog ist toll und so soll er auch bleiben. Das nächste Event kommt bestimmt und die wissen dann auch dich und dein Können zu schätzen.

    Liebe Grüße, Lisa

  • Reply Laura 4. Mai 2017 at 22:35

    Genau sowas ist mir auch schon passiert, mir, dass die Vorgehensweise schon in der Einladungsmail kommuniziert worden ist. Woraufhin ich genau so empört geantwortet habe. Von wegen: Wenn ihr mich dabei haben wollt, dann ladet mich (exklusiv) ein, wenn nicht, dann eben nicht. Damit bin ich auf Unverständnis gestoßen, weil sich wohl kein anderer Blogger beschwert hatte. Nun gut, für mich war das dann trotzdem gegessen. :/

  • Reply Katharina 5. Mai 2017 at 1:02

    Das finde ich echt krass. Sowas unfaires erst jemanden einzuladen und dann abzusagen, weil zu viele zugesagt haben. Sowas ist echt total unhöflich und gemein.

  • Reply Linh 5. Mai 2017 at 12:25

    Ich finde es so schrecklich, dass es Unternehmen und Agenturen gibt, die Menschen auf Zahlen reduzieren, die nicht ein mal aussagen, wie gut oder wie schlecht ich meine Arbeit mache. Zudem muss ich zugeben, setzt mich das auch sehr unter Druck.

    Aber spar dir deine Nerven für andere Partner auf, die deine Arbeit und deine Anwesenheit zu schätzen wissen. Ich finde du machst das alles toll und liebe deine Art 🙂

  • Reply Jane von Shades of Ivory 8. Mai 2017 at 10:48

    Ich bin auch etwas enttäuscht darüber, dass der Blog mittlerweile etwas in den Hintergrund gerückt ist. Ich habe Instagram lange keine Beachtung geschenkt und auch heute behandelt ich die App eher stiefmütterlich, da ich eben Blogger bin und mir das auch viel mehr Spaß macht. Was man eben auch an meiner Followerzahl merkt.
    Schade, dass mittlerweile nur noch auf die Followeranzahl geschaut wird. Sogar dann, wenn es eigentlich um Kooperationen für den Blog geht.
    Ich kann dich also sehr gut verstehen. Wer weiß, was die Zukunft bringt und wie sich das Ganze noch entwickelt. Wir dürfen uns nur nicht den Spaß an der Sache verderben lassen, denn letztendlich ist es doch so: Bilder verschwinden irgendwann auf Instagram, der Blogbeitrag bleibt und wird Dank Google auch noch lange Zeit später gefunden.

    Liebste Grüße
    Jane von Shades of Ivory

  • Reply Amandine 15. Mai 2017 at 11:15

    leider passiert es immer ofters … und ich denke in der fall handelt es sich um der gleiche Kunde..

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