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Musik: Rock am Ring 2015 Review

17. Juni 2015 // Eileen

Besser spät, als nie – hmh? Nachdem die letzten Wäschehaufen von Rock am Ring endlich in der Maschine landeten und wieder sauber werden, setzte ich mich dann auch mal an den Artikel. Sechs Tage lang zelteten Ilka und ich auf unserem Lieblings-Festival. Sechs Tage voller Sonnenbrand, Lebensgefahr und lauter Klänge. Ich schreibe euch hier mal meinen ganz persönlichen Erfahrungsbericht auf und hoffe, dass ihr gut folgen könnt. Einige von euch Lesern waren ja auch dort und teilen vielleicht meine Lieblingsmomente und Panik-Attacken. PS: Auf Instagram seht ihr noch ein paar mehr Foto-Eindrücke.

MITTWOCH 

Von Voerde aus ging es mit dem Auto Richtung Festival. Das neue Gelände in Mendig liegt ja nur rund 30 Kilometer vom Nürburgring entfernt, die Strecke ist also nicht wesentlich länger. 2 Stunden sagt das Navi – die Autokolonne startet mit vollgepackten Karren und genügend Bier für die Beifahrer. Ich sitze am Steuer, gehe also erstmal leer aus. Gegen 14 Uhr kommen wir an – mein Auto ist schon völlig verstaubt dank ländlicher Natur. Problem Nummer 1: Mal wieder viel zu viel zu Schleppen. Problem Nummer 2: Der Parkplatz ist irre weit vom Zeltplatz weg. Wie kleine Ameisen laufen wir inmitten hunderttausender Festivalbesucher in Richtung Bändchenvergabe. Dumm gelaufen: Über eine Stunde warten wir in der endlosen Schlange vor dem Einlass-Zelt. In der prallen Sonne! Mein schniekes Make-Up ist dahin, meine Schultern schmerzen und der Schotter (ehrlich, wer entschied sich für groben Schottter?!) scheuert uns alles auf – und sorgt dafür, dass sämtliche Transport-Sackkarren ihre Rollen verlieren. 

Naja, einfach gelassen bleiben und Bier trinken. Gegen 15.30 sind wir endlich auf dem Zeltplatz. UND ER IST SCHON VOLL! Komplette Fehlkalkulation der Organisatoren, die wohl nicht mit so einem großen Ansturm am Mittwoch rechneten. Tja – morgen ist Feiertag, also kommen viele schon heute. Nach Flüchen, leichten Panik-Attacken dass unsere große Gruppe nicht zusammen zelten kann und Kopfschütteln harrten wir aus. Denn einige Bereiche waren abgesperrt, sie sollten für die Besucher am Donnerstag zurückgehalten werden. Doch nicht mit uns – nach einer halben Stunde lenkten die Ordner ein und eröffneten die letzten unbenutzten Grünflächen. Wie im Film rannten wir alle los – und schmissen Schlafsäcke, Zelte oder Taschen einfach nur so weit es ging voraus. Denn wer zuerst seinen Zeltplatz absteckt, der gewinnt! Hier gibt es keine Freunde – außer es sind die eigenen. Dank Ellenbogentechnik sicherten wir uns also doch noch eine große Fläche für all unsere rund 12 Zelte. Yippieh! 

Mit vereinten Kräften bauten wir Zelte, Pavillons und Campingstühle auf – und ließen das Belohnungs-Bier fließen!


DONNERSTAG

Ich habe richtig gut geschlafen. Also für eine Nacht im Zelt auf unebenen Boden voller Disteln. Der Donnerstag war zum Relaxen da: Es spielten noch keine Bands, also wurde morgens erst mal schööön genüsslich 43er mit Milch und Kellogs gefrühstückt. Wir holten aus dem Auto (Fußmarsch: Eine Stunde!) noch die letzten Sachen und cremten uns gefühlt alle 10 Minuten neu ein. 33 Grad sind kein Zuckerschlecken – und unfassbar viele rote Birnen begegneten mir auf dem Campingplatz. Ich besuchte am Nachmittag dann den Lidl-Store, den es seit diesem Jahr extra auf dem Campingplatz gibt. Und was soll ich sagen? Ich liebe ihn! NIE WIEDER VORHER EINKAUFEN! Nächstes Jahr kaufen wir unser Essen nur dort – denn der Store hat neben frischem Grillfleisch alles, was man zum Überleben bei Rock am Ring braucht. Die Preise sind normal, es gibt sogar Angebote (5 Brötchen backfrisch für 65 Cent). Ehrlich – ich habe mich total in den Laden verliebt und ihn jeden Tag besucht. Absolut mein Mega-Pluspunkt für das Festival. 

FREITAG – ODER AUCH DAS MONSTER-GEWITTER

33 Grad – alles schwitzt. Ab acht Uhr morgens halte ich es nicht mehr im Zelt aus. Ich bilde mir ein, einen drohenden Erstickungstod zu sterben, so luftleer und heiß ist es. Draußen leben wir mittlerweile in einem riesigen Haufen aus leeren Verpackungen, Bierdosen und ein bisschen Grünfläche. Ich inspiziere das erste Mal die Sammelduschen – und finde sie echt okay. Dieses Mal bin ich auch nicht in den Rasierer meiner Duschpartnerin getreten (alles schon vorgekommen) und es kam sogar noch so viel Wasser aus dem Duschkopf, dass es für Shampoo und Spülung reichte. Man soll sich ja an den kleinen Dingen erfreuen, näch? 

Da die Donots schon um 14 Uhr das Festivalgelände mit ihrem Konzert eröffneten, ging es für uns also schon echt früh zum Gelände. (Randnotiz: 14 Uhr ist bei Festivals echt früh) Doch bei 33 Grad zog es uns eher alle 10 Minuten zu den Toiletten, um an den Wasser-Sammelstellen unsere Flaschen aufzufüllen. Es war sogar zu heiß für Alkohol und Essen. Toko hat sich dauernd komplett unter den Hahn gestellt und Kopf, Shirt und Cap getränkt. 

Die Musik am Freitag war genial. Donots, A Day To Remember, Rise Against und Die Toten Hosen! Das Konzert der Hosen war mal wieder soooo geil, Campino hat’s einfach drauf. Ich habe lauthals mitgesungen, weswegen ich drei Tage danach noch keine Stimme hatte. Beim allerletzten Lied kurz nach Mitternacht fing dann der Regen an. Feinster Platzregen prasselte auf uns herab – erst freuten wir uns noch alle über diese gelungene Erfrischung. Aber es sollte anders kommen. 

Das Monster-Gewitter suchte in der Nacht auf Samstag Mendig heim. Und mich. In meinem Schlafsack! Das erste Gewitter gegen 1 Uhr ging ja noch – wir rannten schnell zum Zeltplatz und sicherten alles, was ging. Der Pavillon wurde abgebaut, Zelte wasserdicht gemacht und alle Klamotten in die Vorzelte geräumt. Als ich gerade eingeschlafen war, fing der Scheiß allerdings erst an. Um halb vier wackelte der Boden – ein zweites Gewitter war genau über uns. Und ich muss gestehen dass ich so etwas noch nie erlebt habe. Blitze im Minutentakt, dazu irre laute Donnerschläge, Hagel und Starkregen. Toko rannte raus um das Zelt festzuhalten – es hätte sich sonst verabschiedet. Ich saß innen im Zelt und hielt die Stangen fest, während dauernd Leute um mich herum panisch aufschrieen. Eine halbe Stunde hockten wir so – immer in der Hoffnung, der Blitz möge nicht in unser Zelt einschlagen. Was soll ich sagen? Wir hatten verdammt Schwein! Niemand aus unserer Crew wurde verletzt, nur ein paar Zelte waren leider undicht (meins nicht) und alles nass. 

Wer mehr über die irre Gewitternacht lesen will: Hier gelangt ihr zu meinem Artikel, den ich für die BILD mal fix aus dem Schlafsack heraus getextet habe. 


SAMSTAG

Der Tag nach dem großen Gewitter. Überall Chaos, kaputte Zelte und zerstörte Pavillons. So langsam versuchten wir, etwas Ordnung zu schaffen und ich wischte 2 Stunden lang das Vorzelt sauber und trocken. Immerhin: Kein Regen war mehr angekündigt und ich konnte recht entspannt im Campingstuhl hocken und Mutti anrufen, dass alles ok ist. Beste Investition: Meine Gummistiefel! Ich war so froh, dass ich sie mithatte. Denn so konnte ich gefahrlos durch den Matsch laufen. Den zweiten Festival-Tag mit Musik ließen wir uns natürlich nicht vermiesen und ich hielt bis nachts um zwei Uhr auf dem Gelände aus. Enter Shikari, Deichkind, K.I.Z. oder Trailerpark schaute ich mir an. 

SONNTAG

Der letzte Tag, an dem wir Autofahrer bechern dürfen. Hieß: Alkoholvernichtung. Wir hatten noch super viel Schnaps übrig – es war einfach zu heiß. Also wurde am Sonntag vieles davon vernichtet und ich ging erst Nachmittags aufs Gelände. Rhabarberschnaps schmeckt übrigens auch nach drei Tagen in der Sonne noch – das habe ich mal für euch getestet. Ich verdrückte bergeweise Nudeln (was in meinem Bauch landet, muss ich schließlich morgen nicht mehr schleppen), verschönerte uns alle mit Glitzer und sang noch mal lauthals bei den Foo Fighters mit. Jetzt, wo Dave Grohl die Europa-Tour dank Beinbruch absagen musste bin ich doppelt froh, ihn noch gesehen zu haben. Ein ehemaliges Mitglied von Nirvana auf der Bühne zu erleben hat halt seine ganz eigene Magie. Da ignorierte ich auch die Kälte (ich hatte leider keinen Bock, eine Jacke zu tragen). Die Foo Fighters waren mit den Toten Hosen mein Highlight dieses Festivals. Bei Slipknot lief ich mit Toko irgendwann zurück zum Zelt und schlummerte schnell ein. 

MONTAG

Oder auch: Die ungeschminkte Wahrheit. Niemand geht mehr Duschen, macht sich Gedanken um die eigene Optik oder sucht seine vor Hitze weichgewordene Schminke. Alle versuchen nur schnell, das Zeug zusammenzupacken und nach Hause zu kommen. Gut – unsere Jungs jagten noch schnell ein paar Dosensuppen in die Luft und warfen mit altem Obst um sich. Um nicht zweimal zu laufen, schleppte ich glaube ich drölftausend Kilo Gepäck mit mir herum: Zwei Rucksäcke, eine Tasche, Schlafsack, Isomatte, drei Stühle, Kissen, restliches Essen und Tischbeine. Hat irgendwie geklappt und erst am Auto sackten mir die Beine weg. Kurze Randnotiz: Dieser scheiß Schotter! Ich packte Toko ins Auto und wir alle fuhren wieder Kolonne bis zum nächsten Burger King. Nach etlichen Chilli-Cheese-Nuggets war ich froh, am Nachmittag in meinem Bett zu liegen. 

Das eigene Bett und die Solo-Dusche genießt man erst so richtig, wenn man sechs Tage lang nichts davon hatte. 


Fotos von mir und Toko

5 Comments

  • Reply Regina 17. Juni 2015 at 20:45

    Mega coole Bilder! Und sehr interessanter Einblick! 🙂
    Liebe Grüße
    Regina

    —> http://welcometotheworldoflooove.blogspot.de/?m=0

  • Reply J e n ♥ 18. Juni 2015 at 16:45

    Ich bin im Nachhinein echt neidisch, dass ich nicht da war 😀 Das Line-Up war fantastisch und das Wetter grandios!
    Es ist schön, dass ihr so eine tolle Zeit hattet (:

    Liebe Grüße,
    Jenny
    http://imaginary-lights.net

  • Reply Melli 19. Juni 2015 at 14:02

    echt cooler Bericht, da bekommt man direkt lust aufs nächste Festival 🙂 spätestens nächstes Jahr muss ich auch unbedingt mal wieder zu einem hin. das Gewitter hab ich übrigens auch mitbekommen, das ist wohl weitergezogen Richtung Bonn und ich war schon froh, dass ich im Haus war und nicht im Zelt.
    lg

  • Reply Jasi 23. Juni 2015 at 19:32

    Haaaaach, ich wäre halt auch echt nur zuuuu gerne da gewesen.
    Aber im nächsten Jahr dann 🙂

  • Reply Sabrina 24. Juni 2015 at 9:36

    Klasse Bericht! Hat mir sehr gefallen 🙂 Und ab und zu musste ich echt schmunzeln 😀
    Liebe Grüße Sabrina

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